Wagramer Historientage 2026 – Geschichts- und Stadtführung mit Fritz Quirgst
Am Samstag, dem 4. Juli 2026, lud die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram im Rahmen der Wagramer Historientage 2026 zu einer Geschichts- und Stadtführung mit Museumspräsident Fritz Quirgst ein. Der Rundgang führte durch zentrale Orte der Deutsch-Wagramer Stadtgeschichte – vom alten Ortskern hinter dem Denkmal der Schlacht bei Wagram bis zur Monumentalkapelle im Dr.-Sahulka-Park.
Der Ausgangspunkt lag im Bereich des alten Dorfes, bei der „Alten Schmiede“. Ausgehend von der frühen Besiedlung des Raumes führte Fritz Quirgst die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Zeit der Babenberger und zur ersten urkundlichen Erwähnung Wagrams im Jahr 1258. Danach ging es um die mittelalterliche Entwicklung des Ortes und um die schweren Einschnitte der Türkenkriege: Besonders die erste Türkenbelagerung Wiens 1529 traf auch Deutsch-Wagram hart und führte zur weitgehenden Zerstörung beziehungsweise Auslöschung des damaligen Ortes.
Noch vor dem Besuch der Pfarrkirche wurden weitere prägende Stationen der Ortsgeschichte angesprochen. Vor der Kirche kam auch die Reformzeit unter Kaiser Joseph II. zur Sprache, die tief in das kirchliche und gesellschaftliche Leben eingriff. In diesem Zusammenhang wurde der Blick auf die Entwicklung der Pfarrstrukturen und die Bedeutung der Kirche für den Ort gelenkt.
Ebenfalls noch vor dem Kirchenbesuch ordnete Fritz Quirgst die Schlacht bei Wagram 1809 kurz in die Geschichte Deutsch-Wagrams ein und stellte anschließend den Bezug zum Jahr 1866 her. Im Zusammenhang mit der Schlacht bei Königgrätz kamen auch die Ereignisse im Marchfeld und der Rußbach als Demarkationslinie zwischen österreichischen und preußischen Truppen zur Sprache. So wurde sichtbar, dass Deutsch-Wagram über Jahrhunderte immer wieder von großen historischen Entwicklungen berührt wurde – von der mittelalterlichen Siedlungsgeschichte über die Türkenkriege bis zu den Kriegen des 19. Jahrhunderts.
Die Stadtpfarrkirche Deutsch-Wagram wurde diesmal auch im Inneren besucht. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem bemerkenswerten Sandsteinrelief des linken Seitenaltars. Es zeigt Maria mit Kind, die heilige Dorothea sowie die Figur des Stifters. Die Inschrift erinnert an Niclas Forster, Maler und Pfründner bei diesem Gotteshaus, und trägt die Jahreszahl 1514. Ursprünglich befand sich dieses Relief im ehemaligen Dorotheerkloster in Wien. Im Jahr 1671 wurde es von Adam Anton Grundemann erworben und nach Deutsch-Wagram gebracht. Gerade diese Verbindung von Wiener Klostergeschichte, barocker Umgestaltung und lokaler Pfarrgeschichte machte diese Station besonders eindrucksvoll.
Auch die moderne künstlerische Ausstattung der Kirche wurde besprochen. Der frei stehende Altartisch mit der Eisengussplastik „Kreuzigungsgruppe auf Ankerkreuz“ stammt von Alexander Silveri. Damit wurde in der Kirche nicht nur mittelalterliche und barocke Kunst sichtbar, sondern auch ein wichtiges Beispiel sakraler Kunst des 20. Jahrhunderts. Ein Gruppenfoto entstand vor dem historischen Relief in der Kirche.
Anschließend ging es in den ehemaligen Kirchenfriedhof beziehungsweise Wehrkirchhof. Dort wurde der Blick zunächst auf die Baugeschichte der Pfarrkirche gelenkt. Fritz Quirgst erläuterte, wie stark sich das Erscheinungsbild der Kirche durch die Umbauten der Jahre 1956 bis 1958 veränderte. Die neue Kirche wurde rechtwinkelig zur alten Anlage errichtet; der gotische Chor der früheren Kirche blieb erhalten und dient heute als Seiten- beziehungsweise Wochentagskapelle. Auch der Kirchturm, der 1956 einstürzte, wurde wieder in alter Form aufgebaut. So wurde im Wehrkirchhof deutlich, wie eng mittelalterliche, barocke und moderne Bauteile an diesem Ort miteinander verbunden sind.
Danach standen die historischen Grabsteine und Skulpturen im Mittelpunkt, die 2023 nach jahrzehntelanger Lagerung im ehemaligen Pfarrgarten wieder an der Nordseite der Kirche aufgestellt wurden. Diese Wiederaufstellung erfolgte auf Initiative von Manfred Groß, Ortshistoriker, Chronist und Direktor des Stadtmuseums Deutsch-Wagram. Zu den besonderen Stücken zählen unter anderem das Giebelkreuz aus der Zeit um 1671, zwei barocke Skulpturen aus dem frühen 18. Jahrhundert sowie ein Jesus-Kreuz, das früher vor der Kirche aufgestellt war. Damit wurde der alte Kirchhof erneut als historischer Erinnerungsort erfahrbar.
Ein weiterer Abschnitt der Führung widmete sich der frühen Schulgeschichte Deutsch-Wagrams. Bei der Tafel am ehemaligen Schulhaus wurde an die lange Tradition des Unterrichts im Ort erinnert: Schulunterricht ist bereits 1669 urkundlich nachweisbar. Das einstige Schulhaus wurde 1791 errichtet und 1856 letztmals verändert. Es diente als Pfarrschule bis 1869 und danach als Volksschule bis 1875. Auch die österreichische Feldpost des Jahres 1809 wird auf der Gedenktafel genannt.
Beim Pfarrhof folgte die nächste kunsthistorische Station: die Skulptur „Johannes der Täufer – Rufer in der Wüste“ von Josef Heu. Die Plastik wurde 1929 geschaffen und später von der Pfarre Deutsch-Wagram erworben. Heute steht sie beim Pfarrhof und wird durch eine Kultur[er]leben-Tafel erläutert. Fritz Quirgst ging dabei nicht nur auf das Werk selbst ein, sondern auch auf den Künstler und die Bedeutung dieser Skulptur als Teil des öffentlichen Kulturraums in Deutsch-Wagram.
Weiter führte der Rundgang zum Schulzentrum Deutsch-Wagram, über die Stadtallee sowie die Schul- und Friedhofallee in Richtung Marktplatz. Dabei kamen die Entwicklung Deutsch-Wagrams als Schulstandort, Veränderungen im Ortsbild und die Bedeutung öffentlicher Plätze zur Sprache. Auch der Marktplatz wurde als Ort behandelt, an dem sich historische Entwicklung und heutiges Stadtleben besonders gut verbinden.
Den Abschluss bildete die Monumentalkapelle im Dr.-Sahulka-Park. Sie wurde 1859 von Baron Hugo Freiherr von Tkalcsevich gestiftet und gilt als erste Erinnerungsstätte an die Schlacht bei Wagram von 1809. Damit endete die Führung an einem zentralen Gedenkort Deutsch-Wagrams, der bis heute an die Ereignisse des Jahres 1809 und an die lange Erinnerungskultur des Ortes erinnert.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram bedankt sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das große Interesse.
Autor: Christian Matula
Offizielles Gruppenfoto in der Pfarrkirche Deutsch-Wagram vor dem historischen Sandsteinrelief des linken Seitenaltars. Das Relief stammt aus dem Jahr 1514 und trägt die Inschrift für Niclas Forster, Maler; bis zum Kirchenumbau 1956–1958 war es außen im unteren Bereich des Kirchturms angebracht. © Christian Matula
Weitere Fotos von der Veranstaltung: © Christian Matula





















