Feierliche Eröffnung der Wagramer Historientage 2026 vor der Monumentalkapelle
Am Freitag, dem 3. Juli 2026, wurden die Wagramer Historientage 2026 mit einer feierlichen Gedenkmesse vor der Monumentalkapelle im Dr.-Sahulka-Park eröffnet. Bei wunderschönem und angenehm mildem Wetter hatten sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher eingefunden, um an diesem besonderen Ort gemeinsam zu gedenken.
Museumspräsident Friedrich Quirgst eröffnete die Wagramer Historientage 2026 vor der Monumentalkapelle. Namentlich begrüßte er Vizebürgermeister Harald Nikitscher, Mag. Franz Spehn, Vizepräsident der Museumsgesellschaft und Kultur-Gemeinderat, Ing. Manfred Groß, Obmann des Blasorchesters und Direktor des Stadtmuseums Deutsch-Wagram, Ing. Werner Ertl, verantwortlich für die Organisation der Gedenkmesse, sowie Horst Olek, der bereits früh beim Aufbau des Museums mitgeholfen hatte.
Die Kapelle wurde als erste Erinnerungsstätte an die Schlacht bei Wagram errichtet und ist bis heute eng mit dem jährlichen Gedenken an die Ereignisse des Jahres 1809 verbunden.
Anlass für einen weiteren historischen Rückblick war das Jahr 1866: Genau am Veranstaltungstag, dem 3. Juli 2026, jährte sich die Schlacht bei Königgrätz zum 160. Mal. Nach der österreichischen Niederlage am 3. Juli 1866 rückten preußische Truppen rasch Richtung Wien vor. Auch das Marchfeld und der Raum um Deutsch-Wagram gerieten dadurch in den unmittelbaren Bereich der militärischen Ereignisse. Im Zuge dieses Vormarsches wurde auch Deutsch-Wagram von preußischen Truppen erreicht und kurzfristig besetzt. Der Rußbach wurde zur Demarkationslinie zwischen österreichischen und preußischen Truppen. Damit erinnerte Friedrich Quirgst daran, dass Deutsch-Wagram im 19. Jahrhundert auf unterschiedliche Weise mit den großen militärischen Auseinandersetzungen Europas verbunden war – 1809 als Schauplatz einer Schlacht, 1866 als Grenzraum in einer angespannten Situation unmittelbar vor Wien.
Im Mittelpunkt stand anschließend die Gedenkmesse, die von Pfarrer Mag. Peter Paskalis sehr stimmungsvoll zelebriert wurde. In seinen Worten hob er die Monumentalkapelle nicht nur als Erinnerungsort an die Schlacht bei Wagram hervor, sondern auch als Denkmal und Mahnung für den Frieden. Dabei machte er deutlich, dass ein Gebäude für sich allein noch nicht die eigentliche Bedeutung eines solchen Ortes ausmacht. Erst die Geschichte und die Geschichten, die mit ihm verbunden sind, geben ihm seine Tiefe.
Gerade die Monumentalkapelle zeigt, wie Erinnerung über Generationen weitergetragen wird: durch Erzählungen, durch überlieferte Namen, durch Orte des Gedenkens und durch das jährliche Zusammenkommen.
Pfarrer Peter Paskalis stellte damit auch die Frage in den Raum, was wir aus diesen Geschichten für unser eigenes Leben, für unser Jetzt und für unsere Zukunft mitnehmen. Die Gedenkmesse wurde so nicht nur zu einem religiösen Gedenken an die Gefallenen, sondern auch zu einem Moment des Nachdenkens über Verantwortung, Frieden und Versöhnung.
Alte Ansichten der Monumentalkapelle. (Quelle: Topothek Deutsch-Wagram)
Die Monumentalkapelle wurde 1859 von Baron Hugo Freiherr von Tkalcsevich gestiftet. Der Stifter widmete dem Gedenken nicht nur die Kapelle selbst, sondern stiftete zusätzlich 1.000 Gulden, damit jährlich eine Messe für die Gefallenen gelesen werde. Diese Tradition wurde seit der Stiftung gepflegt, war von 1938 bis zur Wiederaufnahme 1955 unterbrochen und wird seither wieder jährlich fortgeführt. Damit war die Feier auch ein Moment des Dankes an den Stifter, dessen Vermächtnis bis heute lebendig geblieben ist.
Musikalisch wurde die Gedenkmesse von einem Ensemble des Blasorchesters der Musikschule Deutsch-Wagram unter der Leitung von Mag. Roland Haas, Kapellmeister des Blasorchesters, begleitet. Mit zahlreichen Musikerinnen und Musikern verlieh das Ensemble der Feier einen besonders würdigen Rahmen. Die Auszüge aus Franz Schuberts „Deutscher Messe“ fügten sich eindrucksvoll in die Atmosphäre des Ortes ein und machten die Feier auch musikalisch zu einem bewegenden Auftakt der Wagramer Historientage.
Nach der Gedenkmesse bedankte sich Friedrich Quirgst bei allen Mitwirkenden sowie bei den Besucherinnen und Besuchern und informierte über die weiteren Programmpunkte der Wagramer Historientage 2026.
Einige Besucherinnen und Besucher nutzten danach die seltene Gelegenheit, auch das Innere der Monumentalkapelle zu besichtigen, die nur einmal im Jahr im Rahmen der Gedenkmesse geöffnet ist. Christian Matula informierte die Interessierten über die Gruftplatte, die Hintergründe zur Gruft und deren Ausgestaltung sowie über die zehn darin untergebrachten Särge. Dabei ging er auch auf die amtliche Gruftöffnung des Jahres 1958 ein, bei der die Belegung der Gruft dokumentiert wurde.
Zur Sprache kam außerdem die Renovierung des Jahres 1869, die auf Veranlassung des Stifters Baron Hugo Freiherr von Tkalcsevich erfolgte. Im Zuge dieser Arbeiten wurde die Monumentalkapelle baulich gesichert und zugleich deutlich aufgewertet. Anstelle des einfachen Holztürmchens erhielt sie den heutigen gemauerten Turm mit Marienfigur, der ihr Erscheinungsbild bis heute prägt. Realisiert wurde die Renovierung durch Architekt Carl Traninger, den Wiener Steinmetz Conrad Hinterleitner sowie Baumeister Johann Schweiger, den späteren Bürgermeister von Wolkersdorf.
Von der Monumentalkapelle führte der Weg weiter zum Denkmal der Schlacht bei Wagram in der Sachsenklemme, wo die feierliche Kranzniederlegung stattfand. Anschließend klang der Eröffnungsabend beim Sommerabend im Museumshof des Erzherzog Carl-Hauses aus.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram bedankt sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das große Interesse.
Autor: Christian Matula
Johann Schweiger (1829–1889)
Baumeister und späterer Bürgermeister aus Wolkersdorf, der 1869 an der Umgestaltung der Monumentalkapelle beteiligt war.
Topothek Wolkersdorf

































