Besuch bei unseren Museumsfreunden in Aspern und Essling
Auf Einladung von Friedrich Richter, Präsident des Museumsvereins Aspern-Essling 1809, besuchte eine Gruppe der Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram die beiden historischen Museumsstandorte in Aspern und Essling. Die Ereignisse des Jahres 1809 verbinden unsere Orte in besonderer Weise: Nur wenige Wochen nach der Schlacht bei Aspern und Essling standen sich die Armeen Napoleons und Erzherzog Carls am 5. und 6. Juli 1809 bei Wagram erneut gegenüber.
Begrüßung beim Löwen von Aspern
Vor dem bekannten Löwen von Aspern wurden wir von Friedrich Richter und weiteren Mitgliedern des Museumsvereins herzlich begrüßt. Das eindrucksvolle Denkmal auf dem Asperner Heldenplatz erinnert an die Gefallenen der Schlacht bei Aspern und Essling vom 21. und 22. Mai 1809.
Anschließend besuchten wir das Museum Aspern-Essling 1809, das in der ehemaligen Sebastianikapelle unmittelbar neben der Pfarrkirche St. Martin untergebracht ist. Die kleine Kapelle wurde im 17. Jahrhundert errichtet und überstand die schweren Kämpfe des Jahres 1809 weitgehend unbeschadet. Seit 1979 beherbergt sie das der Schlacht gewidmete Museum.
Museumsleiter Johann Peschke führte unsere Gruppe durch die Ausstellung und vermittelte einen umfassenden Einblick in die Ereignisse der Schlacht bei Aspern und Essling. Die Ausstellung präsentiert Uniformen, Blank- und Schusswaffen, Gewehr- und Kanonenkugeln, historische Briefe und Tagesbefehle sowie Porträts der Heerführer und Generäle der österreichischen und französischen Armeen. Zahlreiche Originalobjekte veranschaulichen eindrucksvoll die militärischen und menschlichen Aspekte der Kämpfe im Mai 1809.
Aspern lag während der Schlacht im Zentrum erbitterter Auseinandersetzungen und wechselte mehrfach den Besitzer. Auch die Pfarrkirche St. Martin war unmittelbar in die Ereignisse eingebunden. Französische Scharfschützen nutzten den Kirchturm als Beobachtungs- und Verteidigungsstellung. Während der Kämpfe wurde die Kirche in Brand gesetzt und schwer beschädigt. Ihr Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1810 bis 1813.
Gruppenfoto vor dem Löwen von Aspern: Mitglieder des Museumsvereins Aspern-Essling 1809 und der Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram beim gemeinsamen Besuch der historischen Erinnerungsstätten von Aspern und Essling. Foto © Christian Matula
Fotos vor und aus dem Museum Aspern: © Christian Matula
Pfarrkirche St. Martin
Nach der Museumsführung nutzten einige Mitglieder unserer Gruppe die Gelegenheit zu einem kurzen Besuch der Pfarrkirche. Besonders interessant ist der moderne Erweiterungsbau, der 1998 und 1999 nach den Plänen des Architekten DI Franz Claudius Demblin entstand. Der lichtdurchflutete Zubau verbindet sich auf bemerkenswerte Weise mit dem historischen Kirchenraum und schafft einen spannenden Dialog zwischen barocker Bausubstanz und moderner Sakralarchitektur. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass diese Erweiterung unter Pfarrer Mag. Georg Stockert verwirklicht wurde
Der 1998/99 errichtete Erweiterungsbau der Pfarrkirche St. Martin fügt sich harmonisch an den historischen Kirchenbau an und setzt einen modernen architektonischen Akzent. Fotos: © Christian Matula
Das Museum im historischen Schüttkasten von Essling
Danach führte unser Weg zum denkmalgeschützten Schüttkasten von Essling, einem der bedeutendsten erhaltenen Schauplätze der Schlacht.
Im Inneren besuchten wir zunächst die zweite Dependance des Museums Aspern-Essling 1809. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet das rund 16 Quadratmeter große Diorama, das vom Modellbauer Alfred Frühwirt geschaffen wurde.
Mit Tausenden handbemalter Figuren, zahlreichen Gebäuden sowie einer detailreichen Darstellung der Ortschaften Aspern und Essling, der damaligen Donauarme, der Insel Lobau und der Truppenaufstellungen vermittelt das Diorama einen eindrucksvollen Eindruck von den Dimensionen der Schlacht. Zugleich macht es anschaulich sichtbar, welche bedeutende Rolle die beiden Dörfer, die Kirchen, der Schüttkasten und die Donauübergänge für den Verlauf der Kämpfe spielten.
Rundgang um den Schüttkasten
Im Anschluss führte uns Friedrich Richter rund um das mächtige Gebäude und erläuterte dessen Geschichte sowie seine besondere Rolle während der Kämpfe im Mai 1809.
Der denkmalgeschützte Schüttkasten gehörte ursprünglich zum nahe gelegenen Schloss Essling und diente als Getreidespeicher der Herrschaft. Gemeinsam mit dem Schloss bildete er einen wichtigen Teil des historischen Ortskerns. Das Schloss selbst wurde während der Schlacht schwer beschädigt.
Durch seine massive Bauweise, die starken Mauern und die kleinen Fensteröffnungen eignete sich der Schüttkasten besonders gut als Verteidigungsstellung. Während der Schlacht wurde das Gebäude von französischen Soldaten besetzt und zu einem wichtigen Stützpunkt ausgebaut. Von den Fenstern und Luken aus konnten die Verteidiger das umliegende Gelände unter Feuer nehmen.
Mehrere österreichische Angriffe auf den Schüttkasten blieben erfolglos, sodass das Gebäude während der beiden Schlachttage in französischer Hand blieb. Noch heute erinnern Spuren an der historischen Eingangstür an die heftigen Kämpfe.
Während große Teile Esslings durch die Kampfhandlungen zerstört oder schwer beschädigt wurden, überstand der massiv errichtete Schüttkasten die Schlacht. Dadurch zählt er heute zu den eindrucksvollsten original erhaltenen Erinnerungsorten des Jahres 1809.
Der denkmalgeschützte Schüttkasten von Essling war während der Schlacht bei Aspern und Essling 1809 ein bedeutender französischer Verteidigungsstützpunkt. Heute beherbergt das historische Gebäude eine Dependance des Museums Aspern-Essling 1809. Foto © Christian Matula
Weitere Fotos vom Schüttkasten von Essling: © Christian Matula
Wertvoller persönlicher Austausch
Nach den Besichtigungen fand der gelungene Nachmittag bei belegten Brötchen, Knabbereien und Getränken einen besonders gemütlichen Ausklang. In freundschaftlicher Atmosphäre entwickelten sich zahlreiche interessante Gespräche über die gemeinsame Geschichte, die Museumsarbeit und Möglichkeiten eines weiteren Austausches.
Von der Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram nahmen Museumspräsident Friedrich Quirgst, Vizepräsident Mag. Franz Spehn, Mag. Michael Wenzel, Direktor des Napoleonmuseums, Rudolf Rossak, Direktor des Eisenbahnmuseums, Mag. Helga Szivatz, Susanne Predl, Dr. Bettina Bergauer und Christian Matula an der Exkursion teil.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram bedankt sich herzlich bei Friedrich Richter für die Einladung sowie bei Johann Peschke, Brigitte Vrbicky, Heidemarie Rupp, Leo Büchse und den weiteren Mitgliedern des Museumsvereins Aspern-Essling 1809 für die interessanten Führungen und die herzliche Gastfreundschaft. Unser Dank gilt auch Hans Fischer, der den Besuch begleitete, sowie Alfred Mühl, Chronist und Kulturbeauftragter der Gemeinde Aderklaa.
Wir freuen uns über den persönlichen Kontakt und den wertvollen Austausch. Die Geschichte verbindet Aspern, Essling und Deutsch-Wagram seit mehr als zwei Jahrhunderten. Umso schöner ist es, wenn diese Verbindung durch Begegnungen und die Zusammenarbeit engagierter Museumsvereine lebendig bleibt.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram.
Autor: Christian Matula





























