Bürger und Soldaten während der französischen Invasion 1809
Im Rahmen der Wagramer Historientage 2026 fand am Samstag, dem 4. Juli, im Erzherzog-Carl-Saal des Napoleon- und Stadtmuseums der Vortragsabend „Bürger und Soldaten während der französischen Invasion 1809“ statt.
Museumspräsident Friedrich Quirgst begrüßte die Vortragenden und die zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher. Moderiert wurde die Veranstaltung von Mag. Michael Wenzel, Direktor des Napoleonmuseums.
Der Abend widmete sich verschiedenen Aspekten des Kriegsjahres 1809. Österreich hatte den Krieg mit hohen Ambitionen und dem Einmarsch in Bayern begonnen. Obwohl es Napoleon weitgehend allein gegenüberstand, war die österreichische Armee so groß wie nie zuvor. Die neu aufgestellte Landwehr unterstützte die reguläre Armee mit rund 150.000 Mann.
Nach mehreren glücklosen Schlachten musste sich Erzherzog Carl mit der österreichischen Armee nach Böhmen zurückziehen und konnte den Fall Wiens am 13. Mai 1809 nicht verhindern. Weitere Höhepunkte des Feldzuges waren der österreichische Sieg bei Aspern am 21. und 22. Mai sowie die ehrenvolle Niederlage bei Deutsch-Wagram am 5. und 6. Juli 1809.
Zwei fundierte Gastvorträge führten die Besucherinnen und Besucher zunächst in die rund 300.000 Einwohner zählende Großstadt Wien, die von Mai bis Oktober 1809 zeitweise von bis zu 100.000 französischen Soldaten besetzt war. Im zweiten Vortrag standen die Soldaten und insbesondere die Angehörigen der Landwehr im Mittelpunkt.
Wien während der französischen Besatzung
Dr. Nebiha Guiga vom Institut für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IHB) sprach über die Erlebnisse der Wiener Bevölkerung während der französischen Besatzung.
Am 13. Mai 1809 kapitulierte Wien vor Napoleons Armee. Die Stadt wurde daraufhin bis Oktober besetzt, während mit den Schlachten bei Aspern und Deutsch-Wagram zwei große militärische Auseinandersetzungen in unmittelbarer Nähe stattfanden.
Für die Bevölkerung begann diese Zeit mit der Erwartung einer Belagerung, auf die man sich vorbereitete, die jedoch nicht eintrat. Wien kapitulierte nach einem kurzen Bombardement. Gesunde und verwundete französische Soldaten wurden in Privathäusern einquartiert und stellten eine erhebliche Belastung für das zivile Leben dar.
Weitere Fotos von der Veranstaltung: © Christian Matula
Im Mai und Juni herrschte Brotknappheit, die zu Unruhen führte. Diese wurden von der Wiener Polizei bewältigt, die auch während der Besatzung weiterhin im Amt geblieben war. Nach den Schlachten erhöhte die Versorgung der Verwundeten den Druck auf die Bevölkerung zusätzlich.
Während und nach dem Krieg entstanden außerdem karitative Initiativen zur Unterstützung der Kriegsopfer. Sie halfen sowohl beim Wiederaufbau der im Marchfeld zerstörten Dörfer als auch bei der Unterstützung invalider Veteranen.
Jüdische Landwehrmänner und Landesfreiwillige
Im Anschluss referierte Dr. Ilya Berkovich, langjähriger Mitarbeiter des IHB, über die Landwehr von 1809.
Die Landwehr war ein Volksaufgebot, das kurz vor dem Krieg in den österreichischen und böhmischen Erbländern der Habsburgermonarchie organisiert wurde. Wie alle anderen Untertanen wurden auch Juden zum Dienst in der Landwehr verpflichtet.
Da jedoch in fast allen österreichischen Ländern ein Wohnverbot für Juden galt, stammten die jüdischen Landwehrmänner hauptsächlich aus Gebieten der heutigen Tschechischen Republik. Stichproben aus den Personalunterlagen der drei südmährischen Kreise Brünn, Iglau und Znaim zeigen, dass Juden entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung einberufen wurden.
In der Schlacht bei Deutsch-Wagram kämpften diese Bataillone verbissen am äußersten linken Flügel der österreichischen Armee. Rund um das Dorf und die Wehrkirche von Markgrafneusiedl verteidigten sie ihre Stellungen gegen die französischen Truppen.
Das Schicksal der jüdischen Landwehrmänner ähnelte jenem ihrer christlichen Kameraden. Nur etwa die Hälfte kehrte nach dem Krieg in die Heimat zurück.
Im Anschluss an die Vorträge konnten Fragen gestellt und weitere Aspekte des Kriegsjahres 1809 diskutiert werden. Dabei wurden auch die Bezüge zur Schlacht bei Deutsch-Wagram vertieft.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram bedankt sich herzlich bei Dr. Nebiha Guiga und Dr. Ilya Berkovich für die fundierten Vorträge, bei Mag. Michael Wenzel, Direktor des Napoleonmuseums, für die Moderation sowie bei allen Besucherinnen und Besuchern für das große Interesse und die anregende Diskussion.

















