Krönender Abschluss der Geschichts- und Stadtführungen 2026
Bei herrlichem Herbstwetter führte Fritz Quirgst ein letztes Mal in diesem Jahr durch die Geschichte Deutsch-Wagrams
Am Freitag, dem 9. Oktober 2026, lud die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram zur letzten Geschichts- und Stadtführung des Jahres mit Museumspräsident Fritz Quirgst ein. Ein wunderschöner Herbstnachmittag mit strahlendem Sonnenschein bot ideale Voraussetzungen für einen Spaziergang durch die Vergangenheit unserer Stadt. Zahlreiche interessierte Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, Deutsch-Wagram aus einer historischen Perspektive kennenzulernen.
Unter dem Titel „Vom Dorf zur Monumentalkapelle“ führte der Rundgang vom alten Dorfkern bis zum Dr.-Sahulka-Park. Was als etwa zweistündiger Spaziergang geplant war, entwickelte sich zu einer zweieinhalbstündigen Reise durch mehr als sieben Jahrhunderte Ortsgeschichte. Fritz Quirgst war dabei ganz in seinem Element: Mit seinem umfangreichen historischen Wissen, zahlreichen Geschichten und Anekdoten sowie seiner Begeisterung für die Vergangenheit verstand er es einmal mehr, die Geschichte Deutsch-Wagrams lebendig werden zu lassen.
Vom kleinen Bauerndorf zur Stadt
Ausgangspunkt war der historische Dorfkern im Bereich der ehemaligen Schmiede in der Rohrergasse. Hier begann die Zeitreise mit den mittelalterlichen Ursprüngen Wagrams, dessen erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1258 zurückgeht.
Fritz Quirgst schilderte die Entwicklung des Ortes von der Zeit der Babenberger über die wechselnden Grundherrschaften bis zu den großen gesellschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts. Über Jahrhunderte blieb Wagram ein vergleichsweise kleines Dorf, dessen Alltag von Landwirtschaft, kirchlichem Leben und den Verpflichtungen gegenüber den Grundherren geprägt war.
Auch die Natur bestimmte das Leben der Bewohner. Der einst mitten durch den Dorfanger fließende Rußbach sorgte immer wieder für schwere Überschwemmungen. Im Jahr 1772 wurde sein Lauf hinter den Ort verlegt, doch die Hochwassergefahr blieb noch lange bestehen.
Ebenso gehörten Brände zu den gefürchteten Gefahren früherer Jahrhunderte. Besonders verheerend war der Großbrand vom 24. Jänner 1836, bei dem 14 der damals 75 Häuser des Ortes samt zahlreichen Nebengebäuden und Scheunen zerstört wurden. Historische Feuerluken, also bewusst freigehaltene Zwischenräume zwischen Gebäuden, sollten die Ausbreitung der Flammen verhindern. Solche Spuren des früheren Brandschutzes sind im alten Ortskern teilweise noch heute zu erkennen.
Erst im 19. Jahrhundert begann sich Deutsch-Wagram grundlegend zu verändern. Einen entscheidenden Impuls gab die Eröffnung der ersten dampfbetriebenen Eisenbahnstrecke Österreichs im Jahr 1837, die von Floridsdorf nach Wagram führte. Aus dem jahrhundertelang gewachsenen Bauerndorf entwickelte sich zunehmend eine größere Gemeinde. Neue Wohnhäuser, öffentliche Gebäude, Schulen und Betriebe veränderten nach und nach das Ortsbild.
Weitere Fotos von der Veranstaltung: © Christian Matula
Beim Denkmal der Schlacht bei Wagram 1809. Foto: © Christian Matula
Historische Schauplätze und ihre Geschichten
Ein wesentlicher Teil der Führung war auch diesmal der Schlacht bei Wagram von 1809 gewidmet. Beim großen Denkmal der Schlacht bei Wagram und im Bereich der sogenannten Sachsenklemme erinnerte Fritz Quirgst an die dramatischen Ereignisse der Napoleonischen Kriege und ihre Bedeutung für die Geschichte des Ortes. Dabei ging es nicht nur um die militärischen Ereignisse selbst, sondern auch um die Erinnerung an jene Zeit. Das 1909 enthüllte Schlachtendenkmal und die bereits 1859 errichtete Monumentalkapelle zeigen, wie die Geschehnisse von 1809 über Generationen hinweg im Bewusstsein der Bevölkerung verankert blieben.
Auch weniger auffällige Gebäude erzählen ihre eigenen Geschichten. Das ehemalige Wohnhaus von Hugo Freiherr von Tkalcsevich, das sogenannte Baron-Haus in der Franz-Mair-Straße, und die traditionsreiche ehemalige Bäckerei Hager / Prochaska in der Rohrergasse boten zahlreiche Anknüpfungspunkte, um über frühere Bewohner, Handwerksbetriebe und das alltägliche Leben in Deutsch-Wagram zu sprechen.
Kirche, Schulen und das gesellschaftliche Leben
Eine weitere wichtige Station bildete die Stadtpfarrkirche Deutsch-Wagram. Ihre wechselvolle Baugeschichte reicht weit zurück und spiegelt zugleich die Entwicklung des Ortes wider. Im Jahr 1784 wurde Deutsch-Wagram im Zuge der Reformen unter Kaiser Joseph II. zur eigenständigen Pfarre erhoben.
Besonders bemerkenswert ist der erhaltene gotische Chor aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der beim großen Umbau von 1956 bis 1958 bestehen blieb und heute als Seiten- beziehungsweise Wochentagskapelle dient. Auch das historische Sandsteinrelief aus dem Jahr 1514 gehört zu den kunsthistorisch bedeutenden Zeugnissen der Pfarrkirche. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind, die heilige Dorothea und die Figur des Stifters. Nähere Informationen dazu finden sich auch im Bericht über die Geschichts- und Stadtführung im Rahmen der Wagramer Historientage 2026.
Im Bereich des ehemaligen Kirchenfriedhofs erinnern alte Grabsteine und Skulpturen an frühere Generationen und Persönlichkeiten der Ortsgeschichte. Mehrere dieser historischen Zeugnisse wurden im Jahr 2023 auf Initiative von Ortschronist Manfred Groß an der Nordseite der Kirche wieder öffentlich sichtbar aufgestellt.
Anschließend führte der Weg durch die Kirchengasse zum Schulzentrum. Hier wurde deutlich, wie sich auch das Bildungswesen über die Jahrhunderte verändert hat – von den ersten Schulgebäuden des Ortes bis zu den heutigen Bildungseinrichtungen. Weitere Stationen waren die denkmalgeschützte Musikschule, das traditionsreiche Kinogebäude und der Marktplatz. Sie stehen beispielhaft für den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandel Deutsch-Wagrams, der sich besonders seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert beschleunigte.
Ein würdiger Abschluss bei der Monumentalkapelle
Den Schlusspunkt bildete die Monumentalkapelle im Dr.-Sahulka-Park, die 1859 von Hugo Freiherr von Tkalcsevich als Familiengruft und Erinnerungsstätte an die Gefallenen der Schlacht bei Wagram errichtet worden war.
Hier schloss sich der Kreis des historischen Rundgangs – von den Ursprüngen des alten Bauerndorfes bis zu einem der bedeutendsten Erinnerungsorte der Stadt.
Mit dieser sechsten und letzten Führung ging ein abwechslungsreiches Jahr zu Ende, in dem die Geschichte Deutsch-Wagrams wieder zahlreichen interessierten Menschen nähergebracht werden konnte. Neben den öffentlichen Stadtführungen fanden auch besondere Rundgänge für verschiedene Gruppen statt, darunter erst eine Woche zuvor eine Geschichts- und Stadtführung für die Freiwillige Feuerwehr Deutsch-Wagram, bei der die örtliche Feuerwehrgeschichte und der historische Brandschutz im Mittelpunkt standen.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram bedankt sich herzlich bei Fritz Quirgst für sein großes Engagement, seine Begeisterung und die vielen Stunden, in denen er sein Wissen über die Geschichte unserer Stadt mit den Besucherinnen und Besuchern geteilt hat.
Ein herzliches Dankeschön gilt auch allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die unsere Geschichts- und Stadtführungen in diesem Jahr begleitet haben!
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram.
Autor: Christian Matula
Die Monumentalkapelle, das erste Denkmal an die Schlacht bei Wagram, gestiftet und errichtet von Baron Hugo Freiherr von Tkalcsevich. Foto: © Christian Matula
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