Vortrag und Exkursion am 1. Mai
Im Rahmen des Museumsfrühlings Niederösterreich lud die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram am 1. Mai zu zwei Programmpunkten ein, die sich thematisch eng ergänzten: Am Vormittag stand im Erzherzog Carl-Saal des Napoleon- und Stadtmuseums ein Vortrag zur Landwehr im Jahr 1809 auf dem Programm. Am Nachmittag führte eine Exkursion nach Markgrafneusiedl: Bei der Ruine St. Martin, dem Turm und der Krypta wurden zentrale historische Orte besucht, die eng mit der Schlacht bei Wagram verbunden sind.
Beide Veranstaltungen stellten die Ereignisse des Jahres 1809 in einen regionalen Zusammenhang. Dabei ging es nicht nur um militärgeschichtliche Abläufe, sondern auch um konkrete Orte, lokale Bezüge und einzelne Schicksale, die diese Geschichte bis heute greifbar machen.
Vortrag: Bürger und Bauer gegen Napoleon
Den Auftakt bildete der Vortrag von Mag. Michael Wenzel, Direktor des Napoleonmuseums Deutsch-Wagram, im Erzherzog Carl-Saal. Im Mittelpunkt stand die erste Landwehr des Jahres 1808 und ihre Rolle im Krieg gegen Napoleon.
Zu Beginn erläuterte Michael Wenzel die Grundlagen der Landwehr, ihre Organisation, Uniformierung und Bewaffnung sowie jene Schwierigkeiten, die bei ihrer Aufstellung und Ausrüstung auftraten. Anschließend rückte die niederösterreichische Landwehr in den Mittelpunkt, insbesondere die einzelnen Bataillone und dabei vor allem das 3. Bataillon des Viertels unter dem Manhartsberg unter Oberstleutnant Obergfell.
Dieses auch als Wolkersdorfer Bataillon bezeichnete Bataillon hatte einen besonderen Bezug zu Deutsch-Wagram: Mit der 2. Kompanie bzw. dem 3. Zug waren auch Deutsch-Wagramer in diese Landwehrformation eingebunden. In Deutsch-Wagram befand sich eine Abrichtungsstation, in der die Korporalschaft der Pfarrgemeinde übte; Sitz des Zuges und der Kompanie war Groß-Enzersdorf.
Ein weiterer Schwerpunkt galt den Deutsch-Wagramer Landwehrmännern selbst. Danach verfolgte der Vortrag den Weg von der Mobilmachung bis zur Schlacht bei Wagram und widmete sich besonders den Ereignissen des 6. Juli 1809 bei Markgrafneusiedl.
Anhand ausgewählter Einzelschicksale wurden zudem einzelne Persönlichkeiten näher beleuchtet: Fähnrich Konrad Swoboda, Herrschaftsverwalter aus Leopoldsdorf, Graf Johann Veterany aus dem Waldviertel sowie Laurenz Kurz aus Retz, der im Zusammenhang mit der Landwehr bei Wagram als Träger des Militär-Maria-Theresien-Ordens hervorgehoben wurde.
Offizielles Pressefoto zum Vortrag „Bürger und Bauer gegen Napoleon“ von Mag. Michael Wenzel, Direktor des Napoleonmuseums, im Erzherzog Carl-Saal. v.l.n.r: Museumspräsident Friedrich Quirgst, Mag. Michael Wenzel und Mag. Franz Spehn, Kultur-Gemeinderat und Vize-Präsident der Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram. © Christian Matula
Weitere Fotos von der Veranstaltung: © Christian Matula
Exkursion nach Markgrafneusiedl: Ruine St. Martin, Turm und Krypta
Am Nachmittag wurde das Thema des Vormittags vor Ort weitergeführt. Bei herrlichem Wetter radelten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Museumsgarten des Napoleon- und Stadtmuseums Deutsch-Wagram nach Markgrafneusiedl. Viele weitere Besucherinnen und Besucher kamen direkt zur Ruine St. Martin.
Bereits unterwegs wurde Geschichte im Gelände sichtbar: In Parbasdorf machte die Gruppe an einer Weggabelung Halt, die bereits zur Zeit der Schlacht von 1809 bestand. Anhand historischer Karten wurde dort die damalige Situation veranschaulicht.
In Markgrafneusiedl schilderte Mag. Michael Wenzel vor Ort das Geschehen der Schlacht bei Wagram, insbesondere die Ereignisse rund um den 6. Juli 1809 und die Bedeutung Markgrafneusiedls im Kampfgeschehen. Dabei wurde auch der Einsatz der Landwehrbataillone aufgegriffen, die in diesem Bereich kämpften.
Die Führung durch die Ruine St. Martin übernahm Fredi Prenner vom Dorferneuerungsverein Markgrafneusiedl. Er führte die Gruppe durch die historische Anlage, die in den vergangenen Jahrzehnten renoviert, mit einem Dach versehen und damit vor weiterem Verfall geschützt wurde. In den letzten Jahren wurde zudem die Säulenhalle, ein großer Raum unter dem Stadl, saniert und für Veranstaltungen nutzbar gemacht.
Auch das Gelände rund um die Ruine wurde in den vergangenen Jahren neu gestaltet: Beleuchtete Wege erschließen den Bereich, ein Pfad führt zum höchsten Punkt des Marchfeldes mit Aussichtsplattform. Derzeit wird außerdem ein Parkplatz errichtet, der die Anlage künftig noch besser zugänglich machen soll.
Besichtigt wurde auch der Turm der ehemaligen Wehrkirche. Von dort aus eröffnete sich ein eindrucksvoller Blick über die Weite des Marchfelds.
Ein besonderer Höhepunkt war die Besichtigung der Krypta unterhalb der Pfarrkirche, die nur selten geöffnet wird. In ihr befinden sich Gebeine zahlreicher Menschen – Schädel und Knochen, die der Überlieferung nach mit den Opfern der Schlacht bei Wagram von 1809 in Verbindung stehen. Vor Ort wurde auch die Frage thematisiert, ob und in welchem Zusammenhang diese menschlichen Überreste tatsächlich mit den Ereignissen des Jahres 1809 stehen.
Die beiden Programmpunkte machten deutlich, wie eng die Geschichte von Deutsch-Wagram und Markgrafneusiedl durch die Ereignisse des Jahres 1809 miteinander verbunden ist. Der Vortrag am Vormittag bot den historischen Hintergrund, die Exkursion am Nachmittag machte viele dieser Zusammenhänge direkt vor Ort erfahrbar.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram freut sich sehr über das große Interesse und bedankt sich herzlich bei allen Besucherinnen und Besuchern sowie bei allen Mitwirkenden. Ein besonderer Dank gilt Mag. Michael Wenzel für die historischen Erläuterungen, Fredi Prenner für die fachkundige Führung durch die Ruine St. Martin sowie der Gemeinde Markgrafneusiedl, die diesen besonderen historischen Ort für Veranstaltungen wie diese zugänglich macht.
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram.
Autor: Christian Matula






































