Geschichts- und Stadtführung für die Freiwillige Feuerwehr Deutsch-Wagram
Auf den Spuren der Orts- und Feuerwehrgeschichte
Am Freitag, dem 2. Oktober 2026, unternahmen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Deutsch-Wagram gemeinsam mit einigen Begleiterinnen einen besonderen historischen Stadtrundgang. Museumspräsident Fritz Quirgst, selbst Feuerwehrmann, führte die Gruppe durch den alten Ortskern. Organisiert wurde die Sonderführung von Walter Süss. Auch Feuerwehrkommandant Andreas Peham nahm daran teil.
Wie bei seinen bisherigen Stadtführungen spannte Fritz Quirgst einen weiten historischen Bogen – von der frühen Besiedlung und der ersten urkundlichen Erwähnung Wagrams im Jahr 1258 über die einstigen Grundherrschaften und die Schlacht bei Wagram 1809 bis zur Eröffnung der Eisenbahn im Jahr 1837. Diesmal standen jedoch auch besondere Kapitel der örtlichen Feuerwehrgeschichte und des historischen Brandschutzes im Mittelpunkt.
Von großen Bränden und dem alten Feuerwehrzeughaus
Brände stellten für das alte Deutsch-Wagram über Jahrhunderte eine große Bedrohung dar. Viele Häuser und Wirtschaftsgebäude waren mit Stroh gedeckt, Scheunen und Stallungen standen dicht beieinander. Eine organisierte Feuerwehr gab es noch nicht. Im Ernstfall waren die Bewohner auf gegenseitige Hilfe, einfache Löschgeräte und Wasser aus Brunnen oder den örtlichen Löschteichen angewiesen. Wie verheerend sich ein Feuer ausbreiten konnte, zeigt der Großbrand vom 24. Jänner 1836. Damals wurden 14 der insgesamt 75 Häuser des Ortes samt zahlreichen Nebengebäuden und Scheunen ein Raub der Flammen. Die Löscharbeiten wurden durch den strengen Frost erschwert, da die Wallner-Schwemme stark zugefroren war.
Geschichts- und Stadtführung am 2. Oktober 2026: Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Deutsch-Wagram mit Begleiterinnen, Feuerwehrkommandant Andreas Peham (4. von links), Organisator Walter Süss (3. von rechts) und Museumspräsident Friedrich Quirgst (Mitte), selbst Feuerwehrmann, vor dem Denkmal der Schlacht bei Wagram. Offizielles Gruppenfoto: © Norbert Schilhart
Erst 1883 wurde die Freiwillige Feuerwehr Deutsch-Wagram unter Bürgermeister Franz Schlederer gegründet. Sie verfügte zunächst über eine bescheidene Ausrüstung, die in den folgenden Jahrzehnten laufend erweitert wurde.
Ein besonderer Schauplatz der Führung war der alte Dorfanger bei der ehemaligen Schmiede der Firma Jonas. Hier befand sich unmittelbar neben der Schmiede das frühere Feuerwehrzeughaus mit der bemerkenswerten Aufschrift „Feuer-Löschrequisitiendepot“.
Fritz Quirgst hatte dazu eine historische Fotografie mitgebracht, die das längst verschwundene Gebäude zeigte. Das alte Zeughaus wurde 1959 abgetragen. Bereits 1929 war ein neues Feuerwehrdepot in der Parbasdorfer Straße errichtet worden, das 1930 geweiht wurde und bis 1995 als Feuerwehrhaus diente.
Eine Alarmanlage mit 5.000 Metern Kabel
Besonders interessant war auch die Entwicklung der Feuerwehralarmierung. Während früher die Bevölkerung und die Feuerwehrleute mit einfachen Mitteln auf einen Brand aufmerksam gemacht werden mussten, brachte die technische Entwicklung wesentliche Verbesserungen. 1923 wurde beispielsweise eine elektrische Sirene auf dem Dach des Gemeindeamtes angebracht.
1932 wurden rund 5.000 Meter Kabel für eine Alarmklingelleitung verlegt. An dieses Netz waren 27 Feuerwehrleute sowie der Feuerwehrkommandant, die Gendarmerie und der Bürgermeister angeschlossen. Die drei Letztgenannten konnten selbst einen Alarm auslösen.
Ein bemerkenswertes Detail ist bis heute erhalten geblieben: An der ehemaligen Jonas-Schmiede sind noch immer Isolatoren der damaligen Alarmleitungen zu erkennen. Ein kleines, leicht zu übersehendes Zeugnis der Feuerwehrgeschichte, auf das Fritz Quirgst bei der Führung besonders hinwies.
Historische Feuerluken
und das Baron-Haus
Ein weiterer interessanter Programmpunkt war die Besichtigung der Feuerluke zwischen den Häusern Franz-Mair-Straße 19 und 21, unmittelbar beim sogenannten Baron-Haus.
Das historische Gebäude in der Franz-Mair-Straße 21 war einst das Wohnhaus von Hugo Freiherr von Tkalcsevich, dem Stifter und Errichter der Monumentalkapelle im heutigen Dr.-Sahulka-Park. Die 1859 eingeweihte Kapelle diente sowohl als Familiengruft als auch als erste Erinnerungsstätte an die Gefallenen der Schlacht bei Wagram von 1809.
Solche bewusst freigehaltenen Zwischenräume zwischen den Häusern waren früher ein wichtiger Bestandteil des Brandschutzes. Sie sollten verhindern, dass sich ein Feuer ungehindert von einem Gebäude auf das nächste ausbreitete, und zugleich den Zugang für Löscharbeiten erleichtern.
Wie ernst man diese Gefahr nahm, zeigen die historischen Gemeindeakten: Bereits 1801 erwarb die Gemeinde ein Haus, um an dessen Stelle eine schützende Freifläche schaffen zu können. Beim Großbrand von 1836 wird in der Pfarrchronik ausdrücklich erwähnt, dass die Ausbreitung des Feuers an einer Feuerluke aufgehalten werden konnte.
Das Baron-Haus um 1908: Auf der kolorierten Ansichtskarte ist rechts neben dem Doppelhaus die mit Bäumen bestandene historische Feuerluke zu erkennen. Urheber: Josef Popper, Wien II. Quelle: Sammlung Manfred Groß, Topothek Deutsch-Wagram, ID 0675732.
Weitere Stationen des historischen Rundgangs
Anschließend führte der Rundgang weiter durch den historischen Ortskern. Vorbei an der ehemaligen Bäckerei Hager/Prochaska und der Stadtpfarrkirche ging es zum Schulzentrum, wo Fritz Quirgst die Entwicklung des Schulwesens in Deutsch-Wagram erläuterte. Über weitere geschichtsträchtige Stationen führte der Weg schließlich zur Monumentalkapelle im Dr.-Sahulka-Park, wo die Führung ihren Abschluss fand.
Die Sonderführung bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern damit eine abwechslungsreiche Verbindung aus allgemeiner Ortsgeschichte, historischen Sehenswürdigkeiten und der Entwicklung des Feuerwehrwesens in Deutsch-Wagram. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie viele interessante Spuren der Vergangenheit im heutigen Stadtbild noch zu entdecken sind.
Herzlichen Dank an Fritz Quirgst für die informative Führung und an Walter Süss für die Organisation!
Die Museumsgesellschaft Deutsch-Wagram.
Autor: Christian Matula
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